Der Beitrag "Sie schlugen ihnen die Köpfe ab" von Berthold Seewald

"Sie schlugen ihnen die Köpfe ab und ..." - Mit dem lebensgroßen keltischen Krieger wirbt das Keltenmuseum im Sazburger Land. Dahinter stehen Schilderungen römischer Geschichtsschreiber, die sie bei der Eroberung keltischer Siedlungsgebiete um 15 v. Chr. wohl erlebt hatten: "Die Kelten schlugen ihren Feinden die Köpfe ab und hielten inmitten brennender Opferkörper Gelage ab."

Aber: Waren 'die Kelten' wirklich ein so grausames und kriegerisches Volk? Schußmann schreibt in seinem Kapitel: Kriegshandwerk und Bewaffnung 

berittKrieger"Die Kelten waren berüchtigte, gefürchtete Krieger und als solche erscheinen sie bei den Autoren der Antike (Abb. 57). Etliche bewaffnete Konflikte dieser „Barbaren" mit Griechen und Römern fanden daher in der Geschichtsschreibung nicht bloß Erwähnung, sondern wurden aufgrund der ungewohnten Bewaffnung, eigenwilliger Kampfstrategien und bisweilen befremdlichen, mit Ritualen verbundenen Kampfesweise im Detail geschildert. Ihre kriegerische Einstellung charakterisiert Strabon folgendermaßen: „Das Volk, das man jetzt gallisch oder galatisch nennt, ist in der Gesamtheit kriegswütig und hitzig und rasch beim Kampf, doch im übrigen aufrichtig und nicht bösartig. Wenn man sie reizt, findet man sie gleich bereit zum Kampf, obgleich sie außer Kraft und Kühnheit keine Eigenschaften besitzen, die ihnen im Kampf förderlich wäre.“ Besonders anschaulich wurde dies bei den sog. Gaesaten, einer nackt in den Kampf ziehenden „Spezialtruppe“, von der Polybios berichtet, sie stürzten sich „in ohnmächtiger Wut wie wild auf den Gegner und gaben ihr Leben hin“, wenn sie von Wurfspeeren getroffen wurden. Ähnliches vermerkt auch Diodorus: „die meisten von ihnen verachten den Tod in solchem Maße, dass sie sich ohne Panzer, nur geqürtet (mit einem Schild als einzigem Schutz) in die Schlacht stürzen.“ Wohl aufgrund solchen Gebarens waren sie für Livius ein „... unbekannter Gegner, der von den Küsten des Ozeans und von den letzten Grenzen der Welt den Krieg nach Italien brachte“. Mehrfach wird erwähnt, dass der Glauben an ein Weiterleben nach dem Tod bei ihnen bis zur Todesverachtung führte und zu furchtlosen Kriegern machte. Daher ist es wahrscheinlich, dass auch andere Verhaltensweisen und ein bestimmtes Auftreten in der Schlacht – wie etwa die Nacktheit - auf religiöse oder magische Vorstellungen zurückgeführt werden können. In anderen religiösen Traditionen stehend und auch militärisch grundlegend anders organisiert, musste solches Verhalten den Gegnern freilich fremd und barbarisch erscheinen - insbesondere natürlich der keltische Kult um Schädeltrophäen." (SchuKiBy S. 63)

 

 

 

 

Vielleicht ist es aber doch lohnenswert, mit einem unverstellten Blick die Menschen dieses fast tausendjährigen Zeitraums zu betrachten, auch wenn die Archäologie eine riesige Anzahl von Dolchen, Schwertern,  Lanzen, Pfeil und Bogen, Schilde, Helme, Panzer und auch Streitwagen finden und teils auch rekonstruieren konnte:

Das 'keltische Volk' besiedelte einen Raum, den wir nach heutigen Begriffen als EU-Raum beschreiben könnten: vom Westen (Irland, Schottland) bis in den Osten (über den  Bosporus hinaus - Galater), vom Norden (norddeutsche Tiefebene bis zu den dortigen germanischen Völkern) bis in den Süden (Portugal, Norditalien).
In diesem weiten Gebiet trieben die einzelnen 'Stämme' - Schußmann will eigentlich nicht vom 'keltischen Volk' reden - intensiven Handel. Mit Wüstlingen, Barbaren, kriegslüsteren Burschen, "Halsabschneidern" - s.o. - wollte man damals und will man auch heute eigentlich nichts zu tun haben. Also kann man mal vermuten, dass manches Scharmützel mit Landbesetzern - z.B. den Römern, welche um 15 v. Chr. nördlich der Alpen einfielen - Verteidigung der "Heimat" war. Auch der Klimasturz um 400 v. Chr. zwang keltische Stämme zum Verlassen ihrer angestammten Siedlungsgebiete. Sie machten sich einfach auf die Suche nach kultuvierbarem Land. Archäologische Funde belegen (SchuKiBy S. 37), dass "Kontakte zwischen Kelten und Einheimischen nicht immer nur aus blutigen kriegerischen Auseinandersetzungen bestanden, wie sie von antiken Autoren geschildert werden. Vielmehr vermochten Alteingesessene und Neuankömmlinge durchaus, nebeneinander zu leben und sich kulturell auszutauschen." //Hört, hört!//

Auch aus diesem Blickwinkel heraus ist sehr zu bedauern, dass es 'Die Kelten' nicht zu einer eigenständigen Geschichtsschreibung gebracht haben. Dieses Bedauern gilt auch dem Aspekt, dass überlieferte Sagen und andere literarische Werke einen tieferen Blick auf dieses doch sehr geheimnisvolle Volk ermöglichen würden.

Links: Keltendorf Gabreta bei Ringelai/bay. Wald - Keltenmuseum Salzburg - höchst fragwürdig: keltisches Krieger-Armband - ...

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